Das Ofenhaus von 1771
Das Bühl ist ein Weiler auf 1100 m.ü.M ausserhalb von Riffenmatt. Der Weiler umfasst vier Wohnhäuser, welche ursprünglich alle als Bauernhäuser genutzt wurden. Zu jedem Bauernhaus gibt es einen Speicher und in der Mitte des Weiler steht eng an das Zufahrtssträsschen geschmiegt, das Ofenhaus von 1771.
Hier kamen die Bauernleute wahrscheinlich einmal wöchentlich zusammen um die wöchentliche Ration von etwa 30kg Brot zu backen. Mit der Restwärme wurden nach dem Brot sicherlich auch Früchtekuchen, kleine Brötchen und Aufläufe gebacken, bleibt der Ofen doch nach einer Befeuerung sehr lange noch warm.
Es ist anzunehmen, dass der Ofen sicherlich bis 1950 wöchentlich fürs Brotbacken benutzt wurde, da Zeitzeugen angeben, um diese Zeit sei Riffenmatt noch weitgehend unelektrifiziert gewesen. Danach wird sich diese Tradition langsam verloren haben. Bis etwa 2012 wurde der Ofen etwa halbjährlich vom Frauenverein Riffenmatt genutzt und unregelmässig von den verschiedenen Parteien des Bühls.
Das Besondere und Einzigartige am Ofenhaus im Bühl ist seine Bauweise: Der grosse steinerne Ofen (4x4x3m) steht frei auf einem lehmartigen, roten äusserst harten Boden. Um den Ofen zu schützen, wurde einfach ein Holzhaus um den Ofen errichtet, der aber an keinem Punkt mit dem Ofen verbunden ist. Es sind also zwei unabhängige Bauwerke, der Ofen und rundherum sein Haus, ähnlich wie bei den neuen Menu Kreationen, die Erbse in ihrem Bett aus Kartoffeln, oder ähnliches.
Der Ofen wurde 1771 aus Sandsteinen, grossen rundgeschliffenen Flusssteinen (kleine Findlinge von der letzten Vergletscherung), grosse Kantige harte Kalksteine aus den dem Aegerten- und Scheidwald, Tuffsteine wohl aus dem Loubbach im Aegertenwald (siehe auch die altesten Säulen des Chors und einiger Fenster der Kirche Guggsiberg), kleineren Flusssteinen und vielen kleineren Bruchsteinen erstellt. Ausser dem Feuerloch und dem ursprünglichen Himmel wurden wohl alle grösseren Steine von abgerissenen Bauernhäusern wiederverwendet. Weitere grosse Steine wurden von den Bauern beim Bebauen der Felder rund um das Büel (Neuenmatt, Oberbüfig, Bäreholzweid, Tön, Büelacher, Büelfeld, Neuenmattweid, Gubel und Büelweid (die letzten beiden bereits Gemeinde Rüschegg) ausgegraben und wohl von den Tieren ins Bühl gezogen. Kleinere Steine wurden sicherlich bei der Feldarbeit von den Alten und den Kindern ausgegraben und zum Bühl gebracht - findet man doch in den oben genannten Ackerbaugebieten kaum noch grössere Rundsteine.
Wer den Ofen um 1771 augebaut hat bleibt verborgenes Wissen, doch lässt der kunstvoll bearbeitete alte Sandstein-Himmel (der in den 1970er Jahren abgebaut wurde, durch einen Schamotthimmel ersetzt wurde) der nun als ‘Boden’ vor dem Ofen liegt auf einen versierten Ofenbauer schliessen. Es waren acht Tortenschnitze, welche mit einem Runden Mittelstein als Schlussstein zu einem massiven, gut tragenden Himmel verbaut wurden.
Weshalb in den 1970-er Jahren, wohl durch Ofenbau Habegger der Himmel durch einen Schamottsteinhimmel ersetzt wurde, ist unklar. Ebenso wurden dort über dem Brennraum ausserhalb des Ofens drei grosse Sandsteinplatten als ‘Rauch- oder Glutfang’ mit einem Widerlager unter dem tragenden Mittelbalken des Daches montiert. Diese Installation war dann auch das ‘Ende’ des ursprünglichen historischen Ofens, da das Gewicht dieser beiden Sandsteinplatten (Gewicht ca 150kg), welche zusätzlich auch durch das Gewicht des Hauses beschwert waren, zu stark auf den Ofen drückten. Mit den immer häufiger werdenden nassen und kalten Sommern! hier oben (entgegen der gängigen Klimawandelmeinung) senkte sich der Nordwestgrundstein des Ofenhauses ein paar Zentimeter ab. Diese Absenkung bewirkte, dass sich auch der Mittelbalken des Hauses einige Zentimeter nach unten senkte, und so via Widerlagerstein der Sandsteinplatten mittig auf den Ofen drückte. Es bildeten sich grössere Spalten an der Front des Ofens, so dass wir befürchteten der obere Teil des Ofens könnte irgendwann mit der Hitzebewegung des Backens ganz zusammenstürzen.
Ursprünglich war es geplant, nur den oberen Teil des Ofens abzubauen, doch ein uneinfühlsamer Bauarbeiter hat dann innerhalb von wenigen Tagen den ganzen Ofen mit seinem Bagger in Einzelteile zerlegt, da er ihn zusammen mit dem damals zuständigen Denkmalpfleger mit dem Prädikat ‘unheilbar’ versah. Einwände von uns gegenüber der Denkmalpflege wurden damit gekontert, dass wir mit keiner weiteren Unterstützung der Denkmalpflege rechnen könnten, wenn wir den Ofen nicht von Grund auf neu bauen würden.
Nach dem Totalschaden, welcher wir ja in keiner Weise wollten, setzten grosse Diksussionen in zahlreichen Sitzungen mit Baufachleuten, Gutachtern, Ingenieuren und der Denkmalpflege ein. Da wir ja aus Angst, der obere Teil des Ofens könnte durch die Hitze und die damit verbundenen minimalen Bewegungen des Ofens irgendwann zusammenstürzen, nicht mehr gebacken hatten, sahen wir nun unseren geliebten Ofen in Einzelteile zerlegt im Garten liegen. Wir waren unsäglich traurig und sahen auch den Sinn der ganzen Bauerei so nicht mehr – denn wir hätten ja so einfach weiterbacken und warten können, bis der Ofen irgendwann in sich zusammengestürzt würde. Unser Ziel, den Ofen weitmöglichst so historisch zu erhalten und eben die Renovation vor dem kompletten Zerfall zu machen und ihn weitgehend wieder so aufzubauen wie er im Originalzustand war, war sprichwörtlich zerstört.
Gedanken und Geschichtliches zum Brotbackofen des Bühls
Im Bühl in Riffenmatt steht seit mindestens 300 Jahren ein 4x4x2m grosser Brotbackofen, freistehend in einem holzigen Backhaus. Diese Bauweise ist nur noch sehr selten zu finden, da normalerweise der Ofen Teil der Aussenwand des Ofenhauses ist (Siehe zB. Ofenhaus im Ballenberg, oder Ofenhüsli kleineren Ausmasses hier in der Region) Bis etwa 2010 wurde der grosse Ofen rege beheizt wurde um bis zu 30kg Brot zu backen pro Backgang. Die Riffenmatter Frauenvereinsgruppe hat dort regelmässig gebacken und mit den Bewohnern des Bühls etliche Kilos Brot hergestellt. Vor etwa zehn Jahren bekam der Ofen immer mehr Risse, so dass wir sicherheitshalber aufs weitere Einfeuern verzichteten um den Ofen nicht durch die Hitze zum Einstürzen zu bringen. Wir waren aber traurig ob des Verzichts aufs Backen und machten uns Gedanken, wie es mit dem Ofen im Bühl weitergehen könnte. Heutzutage heisst es schnell einmal: Diesen alten Plunder reisst man besser ab, das hat keinen Zweck diesen Ofen zu restaurieren. Da wir aber sowohl an der alten Backkunst, am gemeinschaftlichen Backen wie zu 'Vrenelis' Zeiten wie auch an alten Bau(kunst)werken hängen, haben wir uns entschieden, den Ofen restaurieren zu lassen. Wir machten uns auch viele Gedanken, wie der Ofen in Zukunft genutzt werden könnte, da eine derart riesige Summe an Zeit und Geld in einen lebendigen, vielfältig genutzten Ofen und in ein rege besuchtes Ofenhaus investiert werden soll! Etwa 2016 sprachen wir zum ersten Mal mit Tom Jost dem Ofenbauer, wie man den Ofen restaurieren könnte. 2019-2021 versuchten wir mit verschiedenen Ofenbauern das Projekt aufzugleisen. Da heutzutage das alte Hafnerhandwerk kaum mehr bekannt ist, merkten wir, dass eine Renovation des Ofens sehr kompliziert werden könnte und dass wir selber uns eine Menge an Wissen aneignen müssen um den Bau zufriedenstellend abschliessen zu können. 2021 begannen die Ofenarbeiten und wir wurden vor die Tatsache gestellt, dass eine Restaurierung des alten Himmels auf den unstabil gewordenen Sockel bald wieder zu Rissen am neu restaurierten Ofen führen könnte. Wir wurden quasi zur Entscheidung gezwungen, den ganzen Ofen abzureissen, um ihn dann so ähnlich wie möglich wieder neu aufzubauen. Wir verbrachten viele Stunden damit, die 30-40 Kubikmeter an Sand- und Flusssteinen zu sortieren um so den Wiederaufbau angehen zu können. Und ebenso verbrachten wir Stunden damit, einen Maurer zu finden, der mit diesen alten Steinen einen Sockel aufmauern könnte, wo dann der Himmel von Tom Jost dem Ofenbauer darauf gebaut werden könnte...Ein schwieriges Unterfangen, da heute mit modernem Zement und Steinen aus Einheitsmass gebaut wird und kaum ein Maurer noch das alte Handwerk beherrscht...Im April 2024 konnten wir nach langem Suchen und Planen mit dem Wiederaufbau beginnen. In verschiedenen Etappen, welche immer wieder neue Herausforderungen und Erkenntnisse mit sich brachten konnten wir den Ofen durch den Maurer bis zur Sockelhöhe aufbauen lassen, so dass Tom Jost von Perler Ofen dann den neuen Feuerraum/Himmel konstruieren konnte. Nun stehen die letzten Bauetappen an. Da der Druck des Himmels mit zwei Metern Durchmesser durch zwei Metallbänder abgefangen werden muss, machten wir uns im Sommer auf die Suche nach einem Schmied, der diese 'ungewöhnliche' Arbeit ausführen kann und will. Anhand des alten Eisenbandes versuchten wir eine möglichst ähnliche Konstruktion zu finden, welche auch mit den heutigen, leider weniger umfangreichen Kenntnissen als Früher von einem Schmied vor Ort um den Himmel gelegt und geschmiedet werden kann. Als nächstes werden diese Eisenbänder dem Ofen angepasst, im riesigen, 0,6 kubikmeter grossen Türstein verankert, ehe dann die Maurer den Rest des Mauerwerks aufmauern können. Auch da warten noch etliche Stunden mit Studium der alten Fotos, um die Front möglichst ähnlich dem alten Ofen aufzubauen (Japanische Restauration). Der Maueraufbau um den Himmel wird mit den alten Flusssteinen und Sandsteinen in alter Bauweise vorgenommen
Mit der Restauration des riesigen Brotbackofens werden viele gesellschaftliche, handwerkliche wie auch marktwirtschaftliche Probleme angegangen, zu denen es keine gängigen Lösungen gibt. Der Erhalt des alten Ofens im Ofenhaus betrifft das Thema Landschaftschutz. Ebenso werden wir ausschliesslich Tannäste aus den umliegenden Wäldern verbrennen, welche wir bereits seit geraumer Zeit in mühsamer Handarbeit mit Gertel und Beil bearbeiten und zu Meterästen verarbeiten, resp. die kleineren Äste dann zu Wedelen binden. Die im Wald verbleibenden Asthaufen der 'Kriesäste) dient wiederum kleinen Tierchen als Unterschlupf und trägt zur Artenvielfalt und zum Landschaftschutz bei. Das Backen ohne Strom von grossen Mengen Brot spart sehr viel Energie, was einen Beitrag zum Klimaschutz darstellt. Der gesellschaftliche Anteil liegt im gemeinsamen Backen, aber auch darin, den Ofen Schulklassen, Parkbesuchern und Kulturinteressierten Menschen zugänglich zu erhalten. Die Verbindung von Jung und Alt an den Backtagen, wo altes Brotbackwissen, aber auch alte Bräuche und der Umgang mit den alten Werkzeugen gepflegt werden soll, möchten wir wieder aufleben lassen. Ebenso werden wir einige alte Brotbackwerkzeuge wieder herstellen 'lassen' müssen, was uns in Kontakt mit den alten Handwerkern bringt, und bis jetzt schon so manche schöne alte Geschichte und manch alter Brauch in unseren Wissenschatz gebracht hat. Und die Identifizierung mit der Region ist dadurch gegeben, dass das Nachbarhaus mit seinem grossen Keller Teil des Klosters Rüeggisberg war und wir stark davon ausgehen, dass dieser Ofen auch im Zusammenhang mit dem Kloster genutzt wurde. So werden alte Verbindungen zwischen den verschiedenen Regionen, die heute zum Teil so abgespalten gelebt werden, wieder hergestellt- und es bahnt sich sogar der Weg ins Freiburgisch Plaffeien, wo unter dem Gasthof zum 'Goldenen Kreuz' ein ebenso alter riesiger Gewölbekeller ebenso im Besitz des Klosters Rüeggisberg gewesen ist: Das Bühl als Brotbackdrehscheibe zwischen Bern und Fribourg! Nicht zuletzt dient die Renovation auch dem Erkennen und auch Weitergeben (ich plane ein Buch über diesen unglaublichen Ofen zu schreiben, damit möglichst viel Wissen und Details des Ofen(baus) erhalten bleiben können) der unglaublichen Arbeit der Menschen um 1700, wo in mühsamster Handarbeit Stein für Stein angeschleppt wurde, die umliegenden Äcker von den Alten und den Kindern von grösseren und kleineren Flusssteinen gesäubert wurden, damit diese dann im Ofen verbaut werden können. So komme ich zur Kategorie 'Nachhaltige Wirtschaft' welche ich ausgewählt habe, da schlussendlich der Ofen fertiggestellt sein wird und als funktionierender Ofen eben doch am meisten zu diesem Thema beitragen wird. Regionale Wirtschaftskreisläufe: Wir werden ausschl. Körner und Mehl aus der Region verbacken und werden uns wohl wirklich auf Riffenmatter, Rüschegger oder Schwarzenburgerprodukte fokussieren, da wir den Anbau von Getreide, der wie das alte Handwerk aus den unwirtlichen Höhen von Riffenmatt fast gänzlich verschwunden ist. Es ist uns ein Anliegen, dass es auch in Riffenmatt wieder mehr Kornfelder wachsen sollten, auch wenn dies als 'Nicht Wirtschaftlich' betrachtet wird. Die Nutzung von Ressourcen liegt in der Nutzung des Tannenholzes welches in den umliegenden Wäldern en masse verfault, da in der heutigen Zeit der Gang in die 'Landi' einfacher geworden ist, als die mühsame, aber sehr schöne Arbeit des Zusammentragens und Rüsten von Tannenästen. Die gebackenen Brote, ob an Ständen verkauft, von den Backfrauen hergestellt oder von Privatpersonen als 'Erlebnis Backen' produziert, soll an die mühselige Arbeit erinnern und die Wertschätzung des heutigen Wohlstands fördern!
Unsere Visionen und Pläne, welche wir mit dem Wiederaufbau des ofens realisieren möchen sind folgende:
Das Wiederbeleben und Pflegen der Tradition, welche heutzutage oft billiger Funktionalität zum Opfer fällt.
Zugänglich machen des Ofens für Schulen/Vereine/Firmen, Parkbesucher/Endverbraucher und Vertrieb der Brote in der Grossregion Schwarzenburg. Transparenz der Energie und Rohstoffproduktion bis zum Endverbraucher mittels Rückverfolgbarkeit der Lieferkette. Sprich: Mehl vom Bauern aus der Region, Holz vom Wald rund ums Bühl...
Besichtigungen des Ofenhauses: Lokale/ Regionale Bevölkerung welche am alten Backhandwerk interessiert sind. 'Schaubacken', Führung durchs Ofenhaus, Frauen- und Backvereine (Aufbau eines regelmässigen gemeinschaftlichen Backzyklus)
Baudenkmalinteressierte, Dokumentation der Restauration und dem damit verbundenen wiedergefundenen Wissens über das Ofenhaus sowie die Sitten und Bräuche der damaligen Zeit (in Analogie Emanuel Friedli: Bärndütsch als Spiegel bernischen Volkstums: Guggisberg)